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Heraldik - Die Jörg von
Nördlingen
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Holztafel 1 -
St. Georgskirche, Nordwand, von Westen im 4. Joch über der mittleren
Tür.
Auf einer kreisrunden Holztafel im Mittelkreis
ein aus Holz gearbeitetes, frei plastisches und polychromiertes Wappen.
Beidseitig leicht getartschter Schild: im blauen Schildhaupt nebeneinander
drei goldene Sterne, darunter auf schwarzem Grund ein goldener Löwe
mit roter Zunge, der in seinen Pranken einen blauen Reichsapfel hält,
der über goldenen Bügeln einein goldenens Kleeblattkreuz
trägt; Stechhelm, Helmdecken gold und schwarz; Helmzier: über
gold-schwarzem Wulst wachsend die Schiltfigur mit Reichsapfel mit
Kleeblattkreuz; die Helmzier ragt über die Inschriftzone und
den Aussenrand der Holztafel hinaus.
Am Aussenrand der Holztafel befindet sich, von zwei plastischen Wulstringen gerahmt
(aussen: Lorbeerkranz, der je viermal on drei und zwei runden Knopsen oder Früchten
unterteilt ist; innen: fortlaufend ein kurzer Rundstab und zwei Kugeln), ein
Kreisring mit einer Inschrift: auf Holz auf weissem Grund in schwarz gemalt eine
einzeilige Inschrift in Fraktur und arabische Ziffern. Im An- und Inlaut langes
s; im Anlaut v statt u; im Inlaut u statt v oder f; i-Punkte; u-Bogen; Abbreviatursiglen;
In Ligatur de; spitzständig quadratische Punkte. Besonders die Versalien,
aber ebenso Punkte und u-Bogen sind durch Zierstriche und -schwänze aufwendig
gestaltet. Die Inschrift des restaurierten Totenschildes ist sehr gut erhalten.
Mit einem Geschlachtwander Michael Jörg aus Bopfingen, der 1494 das Nördlinger
Bürgerrecht erwarb, beginnt die Familiengschichte der Jörg in Nördlingen.
Jener Michael Jörg steuerte in Nördlingen 1494-1536, sein gleichnamiger
Sohn Michael 1540-1568, von dem die fünf Brüder Hans, Johann Baptista,
Georg, Matthäus und Christoph abstammten, die alle zusammen 1602 von dem
Nördlinger Ratsadvokaten Dr. Sebastian Röttinger einen Wappenbrief
erhielten. Hans oder Johann Jörg, Gewandschneider, steuerte 1571-1603, wobei
sein Steuerbetrag von 2 fl. (1571) auf 130 fl. (1603) anwuchs, so dass sein Vermögen
vor seinem Tode am 25. Dezember 1605 wohl mehr als 26000 fl. betragen hat. Johann
Jörg war 1587 Mitglied des Stadtgerichtes, 1589 des Rates und seit 1596
Bürgermeister und Stadtkämmerer bis zu seinem Tode. Angeblich heiratete
er erstmals am 4. Mai 1571 Barbara Mundbach und zum zweiten Male am 3. August
159 Maria, die Witwe des Nassauischen Rates Dr. iur. Johann Graf. Seine Wittwe
hat bis zu Ihren Tod in Nördlingen 1606-1611 gesteuert.
Der Bruder von Johann Jörg, Johann Baptist Jörg, war Skribent in Österreich,
wurde in Nördlingen 1596 jud. Ass., 1606 Mitglied des Rates der Reichstadt,
1617 Stadtkämmerer, 1629 des Geheimen Rates und 1630 Bürgermeister;
er ist am 18. Oktober 1639 gestorben.
Quelle:
Beschreibung des Totenschildes aus: Klaus Raschzok / Dietmar-H.Voges "......
dem Gott gnädig sei".
"Totenschilde und Epitahien in der St. Gerorgskirche in Nördlingen" Beck,
1998 Publikationen zur Ausstellung anlässlich de 1100 - Jahrfeier der Stadt
Nördlingen, mit Einleitung und Beschreibung von 30 Totenschilden und Epitahien.
Holztafel 2, Jörg, Johann
Baptist, Totenschild, 1639 St. Georgskirche, Nordwand, von Westen
im 4. Joch über der mittleren Tür
Auf einer kreisrunden Holztafel im Mittelkreis ein aus Holz gearbeitetes, frei
plastisches und polychromiertes Wappen. Beidseitig leicht getartschter Schild;
im blauen Schildhaupt nebeneinander drei goldene Sterne, darunter auf schwarzem
Grund ein goldener Löwe mit roter Zunge, der in seinen Pranken einen blauen Reichsapfel
hält, der über goldenen Bügeln ein goldenes Kleeblattkreuz trägt; Stechhelm,
Helmdecken gold und schwarz; Helmzier: über gold-schwarzem Wulst wachsend die
Schildfigur mit reichsapfel mit Kleeblattkreuz; die Helmzier ragt über die Inschriftzone
und den Aussenrand der Holztafel nicht hinaus.
Am Aussenrand der Holztafel befindet sich, von zwei plastischen Wulstringen gerahmt
(aussen: Lorbeerkranz, der an beiden Seiten in der Mitte mit zwei Engelsköpfen
und oben mit einer Rose belegt ist; innen: Lorbeerkranz, der symmetrisch von
vier Fruchtständen und drei Rosen unterteilt ist), ein Kreisring mit einer Inschrift:
auf Holz auf weissen Grund in schwarz gemalt eine einzeilige Inschrift in Fraktur
und arabischen Ziffern.
Im An- und Inlaut langes s; im Anlaut v statt u, im Inlaut v statt f; verschiedene
r im In- und Auslaut; spitzständig quadratische i-Punkte; u-Bogen; Abbreviatursiglen.
Besonders die Versalien, aber ebenso andere Buchstaben wie vor allem das Schluss-s
sind durch Zierstriche und -schwänze aufwändig gestaltet. Die Inschrift des restaurierten
Totenschildes ist sehr gut erhalten. Die Inschriftzone wird unten in der Mitte
von einem in die Holztafel eingefügten, unten aus ihr vorkragenden Rundmedallion
unterbrochen, das den Portraitkopf des Verstorbenen zeigt.
Año 1 6 3 9. den 18 Octobris Starb der Ehrnveste Fürsichtig V: Wolweise
Herr Joh: Baptist Jörg Alter Burgermaiester V: Statt Cammerer seines Alters 79
Jahr. D G G.
Es bedeuten: V: = Vnd, und; Joh: = Johann, D G G. = Dem Gott Gnad.
Der Vater von Johann Baptist Jörg war der Geschlachtwander und Tuchmacher Michael
Jörg, gest. 1569, verh. 1540 mit Margaretha Frickhinger, aus welcher Ehe die
sechs Söhne Michael (Geschlachtwander und Tuchhändler, gest. 1590), Johann (Gewandschneider,
Ratsherr, Bürgermeister und Stadtkämmerer, gest. 1605, -siehe Totenschild Nr.
1) Johann Baptist (gest. 1639, siehe diesen Totenschild Nr. 2), Georg (Lodweber,
gest. um 1620), Matthias (Gerber, gest. 1620) und Christoph (Geschlachtwander,
gest. 1633) stammen, die alle zusammen 1602 von dem Nördlinger Ratsadvokaten
Dr. Sebastian Röttinger einen Wappenbrief erhielten, der das oben blasonierte
Wappen bestätigte.
Johann Baptist Jörg wurde in Nördlingen am 6. August 1560 geboren, zog nach vollendeter
Schulzeit 1580 nach Österreich, wo er als Skribent tätig war. In Nördlingen wurde
er 1596 Jud. Ass., 1606 Mitglied des Rates der Reichsstadt Nördlingen, 1617 Stadtkämmerer,
1629 des Geheimen Rates und 1630 Bürgermeister bis zu seinem Tode am 18. Oktober
1639. Nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 gehörte Johann Baptist Jörg zu der
Nördlinger Ratsabordnung, die im Heerlager der Kaiserlichen in Reimlingen für
die besiegte Reichsstadt möglichst gute Bedingungen auszuhandeln suchte.
Johann Baptist war zweimal verheiratet: erstens am 12. Januar 1589 mit Rosina
Maier (gest. 1606), Witwe des Ratsherrn Leonhard Spangenberger, und zweitens
am 2. November 1606 mit Apollonia Dehler, Tochter des Fuhrmannes Leonhard Dehler.
Während die ertse Ehe kinderlos blieb, stammt aus der zweiten Ehe neben anderen
Kindern Daniel Baptist Jörg (geb. 6. Juli 1612, gest. 9. Juli 1671), Apotheker,
der 1637 ins Stadtgericht kam, später Mitglied des Rates und des Geheimen Rates
wurde. Seine Nachkommen gingen Ende des 18. Jahrhunderts nach Holland.
Dietmar-H. Voges: Totenschilde und Epitaphien der Familie Jörg in der St. Georgskirche
in Nördlingen in: 30. Jahrbuch des Historischen Vereins für Nördlingen und das
Ries (2002) S. 193 - 205.
Holztafel 1
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