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Artikel aus dem «Regio-Familienforscher» Jg. 16/Nr. 2, Juni 2003

Trauungen der Deutschen Evangelischen Kirche in Hoboken, New Jersey, 1874-1899

Prof. Dr. Luther A. Dittmer

Herr Professor L.A. Dittmer nahm mit mir Kontakt auf und überliess mir eine Diskette mit den Trauungen der Jahre 1874 – 1887 der Deutschen Evangelischen Kirche von Hoboken bei New York. Diese Diskette wird eine Bereicherung unserer Bibliothek sein. Herr Prof. Dittmer ist daran, alle Trauscheine der genannten Kirche bis 1899 auszuziehen und dazu Register zu erstellen. Er wird uns auch die weiteren Listen auf Diskette überlassen, wofür wir ihm schon jetzt herzlich danken. (Hans B. Kälin)

Die Gegend um die Stadt New York wurde zuerst von den Holländern im 17. Jahrhundert kolonialisiert. Im Laufe des Jahrhunderts haben die Engländer die Holländer vertrieben und Nieuw Amsterdam zu New York umgetauft. Immerhin blieb der Einfluss der Holländer bis auf den jetzigen Tag bestehen. Man sieht das in Patriziernamen wie Rockefeller, Roosevelt und van der Bildt, aber auch in Städtenamen wie Nassau [Nasouwe], Orange [Oranije], Weehawken, Flushing [Vlissingen] und auch Hoboken. Hoboken ist verhältnismässig klein und liegt zwischen einem Bergkamm und dem Hudson-Fluss, gerade gegenüber dem Finanzzentrum New Yorks, das man mit Fähre oder Untergrundbahn leicht erreicht.

Mit der Gründung der HAPAG (Hamburg-Amerika-Linie) am 27. Mai 1847 und dem Norddeutschen Lloyd am 20. Februar 1857 sowie dem Beschluss der HAPAG am 20. Dezember 1853, Dampfschiffe anzuschaffen, nahm die Auswanderung der Deutschen nach New York ein beschleunigtes Tempo an. Der kleinen Kapazität wegen konnten Segelschiffe nur besser betuchten Passagieren eine Überfahrt anbieten; die grossen Dampfer dagegen konnten die Preise herabsetzen und die Kürze und Sicherheit der Reise besser garantieren. So wurde Castle Garden 1855 als Einwanderungsstelle in New York für die Ankunft der Immigrantenwellen eingerichtet. Ellis Island nahm die Tätigkeit erst 1892 auf.

Die zwei grössten deutschen Reedereien fanden Hoboken als günstigsten Landeplatz für ihre Dampfer, bis der Erste Weltkrieg die Verbindungen weitgehend lahm legte. Die Hobokenpiers dieser beiden deutschen Reedereien lagen gerade parallel nebeneinander etwa bei der Ecke 3rd Street und Ferry Street. Nicht alle Auswanderer kamen aus deutschen Landen; nicht alle Deutschen blieben in Hoboken, aber für viele blieb es die neue Heimat, wobei Hoboken öfter spöttisch Klein Bremen genannt wurde und Deutsch weitgehend zur Umgangssprache wurde.

Um die neuen Einwanderer kirchlich zu betreuen, wurden auch deutsch-sprachige Kirchen gegründet. Die wichtigste unter ihnen war wohl die Deutsche Evangelische Kirche. Der reformierte Pfarrer Leopold Mohn bat seine Synode im April 1856 erfolgreich um Erlaubnis, eine solche Kirche zu gründen. Am Anfang konnte man nur fremde Räumlichkeiten für einen Dollar je Sonntag mieten. Schon 1858 aber kaufte die Gemeinde eine Parzelle Land, um ein eigenes Kirchengebäude zu errichten. 1866 folgte dann die Schule, das sogenannte Martha-Institut, das erste Gymnasium in Hoboken. Eine Orgel wurde 1875 installiert. Pfarrer Mohn starb am 8. März 1885. Erst am 8. Oktober 1889 wurde Dr. Johann Rudolph zum Pfarrer der Kirche berufen. Er war aber Presbyterianer, und 1891 bauten die Lutheraner ihre eigene Johannes-Kirche. Dr. Rudolph starb am 21. März 1920, und man holte den Schweizer Methodistenpfarrer Adalbert Q. Wettstein. 1930 fusionierten die Deutsche Evangelische Kirche mit der First Reformed Church of Hoboken; 1936 wurde der Name der Kirche geändert und aus der Deutschen Evangelischen Kirche entstand die Reformed Church of Hoboken. Die Community Church entstand 1967 infolge der Fusion der Reformed Church of Hoboken mit der Hoboken Methodist Church.

Wie in Europa blieben die kirchlichen Funktionen Taufe, Konfirmation, Trauung und Beisetzung bis etwa zu den Bismarck-Reformen eine Sache der Kirchen. Mit dem Aufbau der Standesämter jedoch übernahm zunehmend der Staat die Kontrolle über die Aufzeichnung von Geburten, Trauungen und Sterbefällen. Das Kind bekam seinen Namen schon bei der Geburt und nicht erst bei der Taufe. Anders aber als in Europa blieben Trauungen in Kirchen in der Neuen Welt rechtsgültig. In Hoboken trat die Meldepflicht von Trauungen an den Staat erst am 1. Juli 1874 in Kraft.

Deswegen wurden von diesem Datum an amtliche Meldeformulare zur Pflicht gemacht, wobei die Kirchen die Originaltalons behielten. Da die Trauungen vom 1. Juli 1874 an belegt wurden, erübrigten sich die Eintragungen in die Kirchenbücher, und die Aufzeichnung von Trauungen in der Deutschen Evangelischen Kirche wurde nach 1876 nicht weitergeführt. Ausser auf amtlichen Formularen finden wir Aufzeichnungen der Kirchenfunktionen als Eintragungen in den mitgetragenen Notizbüchern der Pastoren. So bieten die Trauscheine die weitaus beste Quelle für alle Trauungen der Kirche von Hoboken für die Zeit nach 1876. Alle alten Kirchenbücher der Zeit von Pastor Adalbert Q. Wettstein kamen in das Zentralarchiv der deutschen reformierten Kirche in New Brunswick, New Jersey.

Vergessen wurden jedoch die Originaltalons der Trauungen, die im Estrich des Pfarrhauses landeten. Ein auf die Schachtel geklebter Zettel sprach den Wunsch aus, dass jemand diese Trauscheine in Ordnung bringen solle. In diesem Zustand bekam ich den schwarzen Peter. Es befanden sich rund 7000 Trauscheine aus allen Jahren ab 1874 in der Schachtel, 700 allein von 1912, als der arme Pfarrer bis zu sieben Trauungen täglich vornahm. Ein ausgefülltes Formular enthält folgende Angaben: Bräutigam: Name, Geburtsort, Adresse, Beruf, Anzahl der Ehen und Namen und Herkunft seiner Eltern. Gleiche Angaben wurden von der Braut eingetragen, nur hatte kaum eine Frau damals einen Beruf. Endlich wurden die Zeugen, gewöhnlich zwei oder drei, mit Adressen aufgeführt. Ort der Trauung, Unterschrift der Ehepartner und des Pfarrers kamen zuletzt. Nicht jedes Formular gibt alle diese Einzelheiten an. Aber so konnte ich doch systematisch anfangen.

Allerdings treten Fehler auf. Niemand wusste, dass Württemberg nicht Würtemberg heisst oder dass Adams Street nicht Adam Street zu schreiben wäre. Gewisse Parallelstrassen wurden nach den ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten genannt, und der zweite Präsident hiess John Adams. Auch wurde öfter nur phonetisch geschrieben, wobei e und ä verwechselt wurden. So musste man die Stadtnamen bei jeder zweiten Eintragung kontrollieren. Inwieweit ich solche Fehler nicht korrigiert habe, bzw. nicht ganz neue hinzufügte, ist vorläufig ohne weitere Quellen wie das jährlich erscheinende Jersey City and Hoboken Directory schwer zu ermessen. Immerhin habe ich vor, die Ehescheine der Jahre 1874 bis 1899 zu bearbeiten; die weiteren habe ich dem Archiv in New Brunswick übergeben.

Etwa die Hälfte aller protestantischen Einwanderer in den Akten kam aus dem Königreich Hannover; eine andere Gruppe kam aus Württemberg. Vereinzelt kamen Eheleute aus dem Elsass, der Schweiz und Österreich. Man staunt, dass verschiedene Iren darunter waren, die wohl von den Engländern mehr gehasst wurden als die Deutschen, wie das auch in Kanada der Fall war, als sich die Iren mehrheitlich dem französischen Kulturkreis und dem damaligen Ministerpräsidenten Mulroney anschlossen.

Da es sich bei den Trauungen meistens um junge Leute handelte, hatten die meisten Männer schon einen gelernten Beruf und die wenigsten waren bloss Tagelöhner. Es liess sich sogar August Biron, Prinz von Kurland, mit Marie Wilhelmine Teske dort trauen. Viele Paare kannten sich schon in Europa, andere lernten sich erst im Deutschen Klub kennen.

Die Aufstellung der Daten dieser Trauungen und das Register dazu bieten für die genealogische Forschung im engeren Sinne keine erstklassige Quelle, weil man dadurch eher nur die momentane statische Trauung und nicht die dynamische Folge der Familien in genügendem Masse angibt. So bleiben diese Listen eher eine Nebenquelle für genealogische Arbeit.

Die älteren Akten der Kirchen werden im Archiv der Reformed Church unter Nr. 79,25 und 93,22 Hoboken, NJ Community, aufbewahrt. Die Anschrift lautet: 21 Seminary Place, New Brunswick, New Jersey 08901 USA; Mail: RGasero@Aol.com

Die ersten drei Schachteln enthalten Akten aus der First Reformed Church of Hoboken; für unsere Zwecke sind Schachtel 23/1 und 40/1 von grosser Wichtigkeit. Der Inhalt dieser Abteilungen ist:

79,25 Schachtel Jahrgänge Inhalt
1/1 1850-1928 Register: Mitglieder, Taufen, Trauungen, Todesfälle, Berichte
2/1 1907-1930 Kirchenrat Protokolle
3/1 1960-1965 Todesfälle
4/1-5/1 1939-1957 Ausgaben und Einnahmen
6/1-22/1 1856-1968 Kirchenrats-Protokolle
23/1 1856-1876 Register: Taufen, Trauungen, Mitglieder
24/1-25/1 1856-1914 Mitglieder
26/1-27/1 1894-1936 Protokolle der Sonntagschule
28/1-29/1 1880-1915 Protokolle der jungen Gemeinde
30/1 1856-1870 Ausgaben und Einnahmen
31/1-32/1 1883-1913 Ausgaben und Einnahmen der Schule [Martha Institut]
33/1-38/1 1883-1939 Ausgaben und Einnahmen
39/1 1923-1943 Briefwechsel
40/1 1875-1885 Notizbücher der Pastoren
41/1 1960-1965 Todesfälle und Beisetzungen
42/1-46/1 1890-1914 Gemeinde-Bote
     
93,22 Schachtel Jahrgänge Inhalt
     
1/1 1885-1909 Taufen (1885-1907), Trauungen (1885-1897)
2/1-4/1 1897-1952 Trauungen
5/1 1909-1969 Taufen


Anmerkung Web-Team: In der gedruckten Fassung des RFF folgt hier eine Liste der ausgezogenen und transkribierten Trauungen.

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