Trauungen der Deutschen Evangelischen Kirche in Hoboken, New Jersey,
1874-1899
Prof. Dr. Luther A. Dittmer
Herr Professor L.A. Dittmer nahm mit mir Kontakt auf und überliess
mir eine Diskette mit den Trauungen der Jahre 1874 – 1887 der Deutschen
Evangelischen Kirche von Hoboken bei New York. Diese Diskette wird
eine Bereicherung unserer Bibliothek sein. Herr Prof. Dittmer ist
daran, alle Trauscheine der genannten Kirche bis 1899 auszuziehen
und dazu Register zu erstellen. Er wird uns auch die weiteren Listen
auf Diskette überlassen, wofür wir ihm schon jetzt herzlich
danken. (Hans B. Kälin)
Die Gegend um die Stadt New York wurde zuerst von den Holländern
im 17. Jahrhundert kolonialisiert. Im Laufe des Jahrhunderts haben
die Engländer die Holländer vertrieben und Nieuw Amsterdam zu New
York umgetauft. Immerhin blieb der Einfluss der Holländer
bis auf den jetzigen Tag bestehen. Man sieht das in Patriziernamen
wie Rockefeller, Roosevelt und van der Bildt, aber auch in Städtenamen
wie Nassau [Nasouwe], Orange [Oranije], Weehawken, Flushing [Vlissingen]
und auch Hoboken. Hoboken ist verhältnismässig klein und
liegt zwischen einem Bergkamm und dem Hudson-Fluss, gerade gegenüber
dem Finanzzentrum New Yorks, das man mit Fähre oder Untergrundbahn
leicht erreicht.
Mit der Gründung der HAPAG (Hamburg-Amerika-Linie) am 27. Mai
1847 und dem Norddeutschen Lloyd am 20. Februar 1857 sowie dem Beschluss
der HAPAG am 20. Dezember 1853, Dampfschiffe anzuschaffen, nahm die
Auswanderung der Deutschen nach New York ein beschleunigtes Tempo
an. Der kleinen Kapazität wegen konnten Segelschiffe nur besser
betuchten Passagieren eine Überfahrt anbieten; die grossen Dampfer
dagegen konnten die Preise herabsetzen und die Kürze und Sicherheit
der Reise besser garantieren. So wurde Castle Garden 1855 als Einwanderungsstelle
in New York für die Ankunft der Immigrantenwellen eingerichtet. Ellis
Island nahm die Tätigkeit erst 1892 auf.
Die zwei grössten deutschen Reedereien fanden Hoboken als günstigsten
Landeplatz für ihre Dampfer, bis der Erste Weltkrieg die Verbindungen
weitgehend lahm legte. Die Hobokenpiers dieser beiden deutschen Reedereien
lagen gerade parallel nebeneinander etwa bei der Ecke 3rd Street
und Ferry Street. Nicht alle Auswanderer kamen aus deutschen Landen;
nicht alle Deutschen blieben in Hoboken, aber für viele blieb es
die neue Heimat, wobei Hoboken öfter spöttisch Klein Bremen genannt
wurde und Deutsch weitgehend zur Umgangssprache wurde.
Um die neuen Einwanderer kirchlich zu betreuen, wurden auch deutsch-sprachige
Kirchen gegründet. Die wichtigste unter ihnen war wohl die Deutsche
Evangelische Kirche. Der reformierte Pfarrer Leopold Mohn bat
seine Synode im April 1856 erfolgreich um Erlaubnis, eine solche
Kirche zu gründen. Am Anfang konnte man nur fremde Räumlichkeiten
für einen Dollar je Sonntag mieten. Schon 1858 aber kaufte die
Gemeinde eine Parzelle Land, um ein eigenes Kirchengebäude zu
errichten. 1866 folgte dann die Schule, das sogenannte Martha-Institut,
das erste Gymnasium in Hoboken. Eine Orgel wurde 1875 installiert.
Pfarrer Mohn starb am 8. März 1885. Erst am 8. Oktober 1889
wurde Dr. Johann Rudolph zum Pfarrer der Kirche berufen. Er war aber
Presbyterianer, und 1891 bauten die Lutheraner ihre eigene Johannes-Kirche.
Dr. Rudolph starb am 21. März 1920, und man holte den Schweizer
Methodistenpfarrer Adalbert Q. Wettstein. 1930 fusionierten die Deutsche
Evangelische Kirche mit der First Reformed Church of Hoboken;
1936 wurde der Name der Kirche geändert und aus der Deutschen
Evangelischen Kirche entstand die Reformed Church of Hoboken.
Die Community Church entstand 1967 infolge der Fusion der Reformed
Church of Hoboken mit der Hoboken Methodist Church.
Wie in Europa blieben die kirchlichen Funktionen Taufe, Konfirmation,
Trauung und Beisetzung bis etwa zu den Bismarck-Reformen eine Sache
der Kirchen. Mit dem Aufbau der Standesämter jedoch übernahm
zunehmend der Staat die Kontrolle über die Aufzeichnung von
Geburten, Trauungen und Sterbefällen. Das Kind bekam seinen
Namen schon bei der Geburt und nicht erst bei der Taufe. Anders aber
als in Europa blieben Trauungen in Kirchen in der Neuen Welt rechtsgültig.
In Hoboken trat die Meldepflicht von Trauungen an den Staat erst
am 1. Juli 1874 in Kraft.
Deswegen wurden von diesem Datum an amtliche Meldeformulare zur
Pflicht gemacht, wobei die Kirchen die Originaltalons behielten.
Da die Trauungen vom 1. Juli 1874 an belegt wurden, erübrigten
sich die Eintragungen in die Kirchenbücher, und die Aufzeichnung
von Trauungen in der Deutschen Evangelischen Kirche wurde
nach 1876 nicht weitergeführt. Ausser auf amtlichen Formularen
finden wir Aufzeichnungen der Kirchenfunktionen als Eintragungen
in den mitgetragenen Notizbüchern der Pastoren. So bieten die
Trauscheine die weitaus beste Quelle für alle Trauungen der Kirche
von Hoboken für die Zeit nach 1876. Alle alten Kirchenbücher
der Zeit von Pastor Adalbert Q. Wettstein kamen in das Zentralarchiv
der deutschen reformierten Kirche in New Brunswick, New Jersey.
Vergessen wurden jedoch die Originaltalons der Trauungen, die im
Estrich des Pfarrhauses landeten. Ein auf die Schachtel geklebter
Zettel sprach den Wunsch aus, dass jemand diese Trauscheine in Ordnung
bringen solle. In diesem Zustand bekam ich den schwarzen Peter. Es
befanden sich rund 7000 Trauscheine aus allen Jahren ab 1874 in der
Schachtel, 700 allein von 1912, als der arme Pfarrer bis zu sieben
Trauungen täglich vornahm. Ein ausgefülltes Formular enthält
folgende Angaben: Bräutigam: Name, Geburtsort, Adresse, Beruf,
Anzahl der Ehen und Namen und Herkunft seiner Eltern. Gleiche Angaben
wurden von der Braut eingetragen, nur hatte kaum eine Frau damals
einen Beruf. Endlich wurden die Zeugen, gewöhnlich zwei oder drei,
mit Adressen aufgeführt. Ort der Trauung, Unterschrift der Ehepartner
und des Pfarrers kamen zuletzt. Nicht jedes Formular gibt alle diese
Einzelheiten an. Aber so konnte ich doch systematisch anfangen.
Allerdings treten Fehler auf. Niemand wusste, dass Württemberg
nicht Würtemberg heisst oder dass Adams Street nicht Adam Street
zu schreiben wäre. Gewisse Parallelstrassen wurden nach den
ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten genannt, und der
zweite Präsident hiess John Adams. Auch wurde öfter nur phonetisch
geschrieben, wobei e und ä verwechselt wurden. So musste man
die Stadtnamen bei jeder zweiten Eintragung kontrollieren. Inwieweit
ich solche Fehler nicht korrigiert habe, bzw. nicht ganz neue hinzufügte,
ist vorläufig ohne weitere Quellen wie das jährlich erscheinende Jersey
City and Hoboken Directory schwer zu ermessen. Immerhin habe
ich vor, die Ehescheine der Jahre 1874 bis 1899 zu bearbeiten; die
weiteren habe ich dem Archiv in New Brunswick übergeben.
Etwa die Hälfte aller protestantischen Einwanderer in den Akten
kam aus dem Königreich Hannover; eine andere Gruppe kam aus
Württemberg. Vereinzelt kamen Eheleute aus dem Elsass, der Schweiz
und Österreich. Man staunt, dass verschiedene Iren darunter
waren, die wohl von den Engländern mehr gehasst wurden als die
Deutschen, wie das auch in Kanada der Fall war, als sich die Iren
mehrheitlich dem französischen Kulturkreis und dem damaligen
Ministerpräsidenten Mulroney anschlossen.
Da es sich bei den Trauungen meistens um junge Leute handelte, hatten
die meisten Männer schon einen gelernten Beruf und die wenigsten
waren bloss Tagelöhner. Es liess sich sogar August Biron, Prinz
von Kurland, mit Marie Wilhelmine Teske dort trauen. Viele Paare
kannten sich schon in Europa, andere lernten sich erst im Deutschen
Klub kennen.
Die Aufstellung der Daten dieser Trauungen und das Register dazu
bieten für die genealogische Forschung im engeren Sinne keine erstklassige
Quelle, weil man dadurch eher nur die momentane statische Trauung
und nicht die dynamische Folge der Familien in genügendem Masse angibt.
So bleiben diese Listen eher eine Nebenquelle für genealogische Arbeit.
Die älteren Akten der Kirchen werden im Archiv der Reformed Church unter
Nr. 79,25 und 93,22 Hoboken, NJ Community, aufbewahrt. Die
Anschrift lautet: 21 Seminary Place, New Brunswick, New Jersey 08901
USA; Mail: RGasero@Aol.com
Die ersten drei Schachteln enthalten Akten aus der First Reformed
Church of Hoboken; für unsere Zwecke sind Schachtel 23/1
und 40/1 von grosser Wichtigkeit. Der Inhalt dieser Abteilungen
ist:
| 79,25 Schachtel |
Jahrgänge |
Inhalt |
| 1/1 |
1850-1928 |
Register: Mitglieder, Taufen, Trauungen, Todesfälle, Berichte |
| 2/1 |
1907-1930 |
Kirchenrat Protokolle |
| 3/1 |
1960-1965 |
Todesfälle |
| 4/1-5/1 |
1939-1957 |
Ausgaben und Einnahmen |
| 6/1-22/1 |
1856-1968 |
Kirchenrats-Protokolle |
| 23/1 |
1856-1876 |
Register: Taufen, Trauungen, Mitglieder |
| 24/1-25/1 |
1856-1914 |
Mitglieder |
| 26/1-27/1 |
1894-1936 |
Protokolle der Sonntagschule |
| 28/1-29/1 |
1880-1915 |
Protokolle der jungen Gemeinde |
| 30/1 |
1856-1870 |
Ausgaben und Einnahmen |
| 31/1-32/1 |
1883-1913 |
Ausgaben und Einnahmen der Schule [Martha Institut] |
| 33/1-38/1 |
1883-1939 |
Ausgaben und Einnahmen |
| 39/1 |
1923-1943 |
Briefwechsel |
| 40/1 |
1875-1885 |
Notizbücher der Pastoren |
| 41/1 |
1960-1965 |
Todesfälle und Beisetzungen |
| 42/1-46/1 |
1890-1914 |
Gemeinde-Bote |
| |
|
|
| 93,22 Schachtel |
Jahrgänge |
Inhalt |
| |
|
|
| 1/1 |
1885-1909 |
Taufen (1885-1907), Trauungen (1885-1897) |
| 2/1-4/1 |
1897-1952 |
Trauungen |
| 5/1 |
1909-1969 |
Taufen |
Anmerkung Web-Team: In der gedruckten Fassung des RFF folgt hier eine Liste
der ausgezogenen und transkribierten Trauungen.