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Was ist Heraldik?
Alles, was mit Wappen zusammenhängt, bezeichnen wir als "heraldisch", und das ganze grosse Gebiet der Wappenkunde, der Wappenkunst und des Wappenrechts heisst Heraldik.

Was ist ein Wappen?
Wappen sind farbige, unveränderliche Bildkennzeichen eines Geschlechts oder einer Körperschaft und werden nach bestimmten Regeln mit mittelalterlichen Waffen dargestellt. Körperschaften sind Staaten, Städte, Bistümer, Klöster, Firmen sowie Institutionen, z.B. Universitäten und Zünfte. Jede Körperschaft kann ein Wappen besitzen.

Woher kommen die Wappen?
Das Wort "Wappen" hiess mittelhochdeutsch "wâfen" und bedeutete damals: Waffe, Schwert, Rüstung, Erkennungszeichen. Erst im 16. Jahrhundert trennte sich die Bedeutung Wappen von Waffen endgültig. Das Wappen stammt also aus der Sprache und Ausrüstung der mittelalterlichen Krieger, der Ritter.

Der Eisenpanzer gab dem Ritter Schutz, machte es jedoch unmöglich, den Feind vom Freund zu unterscheiden. Darum malte oder befestigte er ein persönliches Abzeichen auf seinen Schild, Helm und Waffenrock, ein Abzeichen, das auf etwa 200 Schritt erkennbar sein musste. Darum waren die Wappen anfänglich einfach und klar im Aufbau und farblich gut unterscheidbar. Zur Abbildung des Wappens eignete sich vor allem der Schild, dann aber auch der Helm, die Helmdecke, der bunte Rock, der Mantel des Pferds und der an der Lanzenspitze flatternde Wimpel sowie das Siegel.

Grundregel der Heraldik
heraldisch rechts ist links und heraldisch links ist rechts. Wappen sind vom Träger aus zu betrachten, der den Schild am Arm trägt. Für ihn ist die rechte Seite dort, wo für den gegenüberstehenden Betrachter links ist.

Seit wann gibt es Wappen?
Die ersten europäischen Wappen entstanden in Nordfrankreich und Flandern um 1130, rund 30 Jahre nach dem ersten Kreuzzug (1096-1099), der erstmals Ritter verschiedener Länder zu einer gemeinsamen Aufgabe zusammengebracht hatte. Rasch entwickelte sich eine westeuropäische Heraldik. Die Schildbilder wurden schon um 1200 erblich. Damit änderten sie ihre Bedeutung als Kennzeichen einer Einzelperson zum Kennzeichen eines ganzen Geschlechts. Bald führten auch juristische Personen wie Städte, Bistümer, Klöster und Zünfte Wappen.

Die Heraldik wurde als Adelsheraldik von königlichen und fürstlichen Herolden betreut. Die Herolde führten die Wappenregister, entwickelten die heraldische Fachsprache und hatten wichtige Aufgaben bei den Turnieren. Der Herold trug einen mit Wappen oder Wappenmotiven geschmückten Mantel, Tappert genannt, manchmal aber auch nur eine mit Wappen geschmückte Kette.

Nach den Schlachten und Fehden des 12. und 13. Jahrhunderts veränderte sich im 14. Jahrhundert das Kriegswesen. Die Reiterschlachten gingen allmählich zu Ende. Die Ritter sassen ab und kämpften zu Fuss. Die wappengeschmückten Waffenröcke und Pferdedecken hielten sich noch bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, Banner und Fähnlein noch länger. Schild und Helmzier verschwanden jedoch aus den Schlachten. Sie retteten sich in die Scheinkämpfe der Turniere, die als Ritterspiele fortlebten.

Wie kamen die Wappen vom Schild ins Siegel?
Im Mittelalter konnten meist nur die Geistlichen schreiben. Rechtsgeschäfte wurden darum nicht unterzeichnet, sondern gesiegelt. Als gewöhnlichstes persönliches Siegelbild verwendeten die Adeligen zumeist ihr Wappen. Grafen- und Fürstensiegel zeigen oft den ganzen Reiter auf dem Pferd. Die Siegel des Adels waren zumeist rund oder in Schildform. Bald folgten den Adeligen die Geistlichen und siegelten auch mit ihrem Wappen, obwohl höchstens die fürstliche Geistlichkeit wie Erzbischöfe, Bischöfe und Fürstäbte dem Kaiser, König oder Fürsten in den Kampf folgte. Zumeist zeigten sich die geistlichen Herren in den Siegeln in ihren Priesterkleidern und verwiesen die Wappenschilde in die Fusszone des Siegels. Die charakteristische Form der geistlichen Siegel durch Jahrhunderte ist das spitzovale Siegel.

Dem Adel und der Geistlichkeit folgten schon früh bürgerliche Familien als Siegler mit dem Wappenbild. Bürger, Handwerker, ja sogar Bauern schufen sich Wappen und siegelten bei Bedarf damit. Bei vielen Geschlechtern sind dies die ersten Beweisstücke eines Wappens der Familie. Bis zum 15. Jahrhundert verbreitete sich das Wappenwesen in allen Ständen; denn die Wappenfähigkeit war nicht auf einzelne Gesellschaftsschichten beschränkt. Hingegen gab es für die Siegelfähigkeit Vorschriften.

Welches Familienwappen darf ich für mich benutzen?
Jeder, jede möchte gern ein Familienwappen besitzen. Viele haben keinerlei Kenntnis, dass ihre Familie je ein Wappen hatte. Nach langer Suche findet sich ein Wappen einer Familie dieses Namens. Darf ich es für mich verwenden? Andere kennen sogar mehrere Wappen von Familien ihres Namens. Welches ist dasjenige, das ich für mich beanspruchen darf?

Der erste Grundsatz lautet: Kein Familienwappen ohne Familienforschung!
Das Wappen, das ich in jedem Fall für mich verwenden darf, ist das meines Vorfahren vor 200 oder mehr Jahren. Findet sich ein solch altes Wappen bei den direkten Vorfahren auf einem Siegel, Grabmal, Bild oder Gegenstand, dann gibt es keine Unsicherheiten. Dies ist mein Familienwappen.

Ich stamme aus einem Dorf, in dem die Leute meines Familiennamens nur ein einziges Wappen besitzen. In diesem Fall darf ich dieses Wappen für mich verwenden. Gibt es aber mehrere Stämme und Zweige mit verschiedenen Wappen, dann muss ich zuerst forschen, welchem Stamm oder Zweig ich angehöre, um zu wissen, welches auch mein Wappen ist.

Sollte ich jedoch unter mehreren Wappen meines Familiennamens das meinige höchstens vermuten oder völlig im Dunkeln tappen, dann ist es besser, für mich, meine Familie und die Nachkommen ein neues Wappen zu schaffen. Es darf sich durchaus an ein bestehendes Wappen anlehnen, muss aber in Einzelheiten oder Farbe von ihm abweichen. Und natürlich sollte es heraldisch korrekt sein! Der gute Rat eines Heraldikers ist hier Gold wert. Man hüte sich vor überladenen Wappen, vor modernen Gegenständen im Wappen und vor der Benutzung des Wappens einer ausgestorbenen Adelsfamilie, auch wenn ihr Name dem eigenen noch so ähnlich ist.